Rassiges Derby vor großartige Kulisse

Handball, Thüringenliga Männer, 21. Spieltag, Bericht

SG Suhl/Goldlauter – Sonneberger HV 27:31 (9:18)

Sonneberg/Suhl. Die gut 300 Zuschauer, die am vergangenen Samstagabend das Südthüringenderby in der Suhler „Wolfsgrube“ zwischen dem Gastgeber und Sonneberg verfolgen konnten, erlebten ein Handballspiel, dass vor allem im zweiten Durchgang dem Derby-Charakter gerecht wurde und deshalb auch erneut als Klassiker bezeichnet werden kann. Aus Sicht der Gastgeber kann man sicherlich das Fazit ziehen, dass man nach einer verschlafenen ersten Hälfte zumindest in Halbzeit zwei großen Kampfgeist zeigte und die Niederlage so in Grenzen hielt. Die Spielzeugstädter dagegen bauten nach einer sensationellen ersten Hälfte im zweiten Spielabschnitt doch arg ab. Ein gutes Pferd springt aber eben nicht höher als es muss – könnte man sprichwörtlich resümieren.

Sonnebergs Kapitän Philipp Oehrl brachte es im Nachgang so auf den Punkt: „Die erste Halbzeit war super Handball von uns, die zweite dann ein echtes Derby, mit allem was dazu gehört.“ Dazu zählte unter anderem auch eine direkte rote Karte gegen Suhls Michael Frank in der 56. Minute, den besten Torschützen der Gastgeber (8 Tore). Diese Entscheidung war sicher etwas überzogen, doch an sich mussten die beiden Unparteiischen vor allem im zweiten Durchgang immer wieder progressiv bestrafen, wie es im Handballjargon heißt. Auf Deutsch: Sie mussten Zeitstrafen aussprechen. Acht von insgesamt 13 Zeitstrafen entfallen dabei im Prinzip auf die Schlussphase, als es doch etwas ruppiger wurde. Aber im Großen und Ganzen war es ein faires Derby mit einem gerechten Sieger. Das sahen auch nicht nur die knapp 150 Sonneberger Fans so. Doch diese feierten natürlich besonders. Ein Teil war extra mit einem Sonderbus angereist. Der nostalgische Ikarus-Bus der Kfz-Meisterwerkstatt Domhardt (Projekt 801) war jedenfalls bis auf den letzten Platz gefüllt. Und wie es sich für ordentliche Fans auch gehört, verbreiteten die Spielzeugstädter erst auf der Hinfahrt unter sich und später auf den Rängen wahrhaft fantastische Stimmung. Und die Gäste aus Sonneberg brannten auch auf dem Parkett in der ersten Hälfte ein wahrliches Feuerwerk ab. Glänzten dabei mit hervorragender Handballkost und ließen den Gastgebern nicht den Hauch einer Chance.

Mit einem Blitzstart schockten sie die Suhler, die einige Minuten brauchten, um ins Spiel zu finden. Der quirlige Rechtsaußen Nils Boseckert besorgte dabei in den Anfangsminuten die Hälfte der Tore. Beim Stande von 8:3 hatte er bereits viermal eingenetzt. Dabei führten die Gäste zwischenzeitlich 4:0 und später 6:1. Anschließend trugen sich auch die anderen mehrfach in die Torschützenliste ein und die Spielzeugstädter schraubten die Führung in die Höhe (11:3, 14:5). Mit einer bombensicheren Abwehr und einem glänzend aufgelegten Nils Thomas im Tor dahinter brachte man den Gastgeber schier zur Verzweiflung. Moritz Weitz war es dann vorbehalten, eine halbe Minute vor der Pause die Zehn-Tore-Führung zu besorgen. Er lochte vom Strafwurfpunkt zum 18:8 ein. Mit dem Pausenpfiff gelang Marcus Triebel noch der neunte Suhler Treffer.

Nach dem Seitenwechsel bestimmten vorerst weiterhin die Gäste aus der Spielzeugstadt das Spielgeschehen und erstickten leise Suhler Hoffnungen auf ein Näherkommen im Keim (18:11, 21:12). Es gelang zwar nicht noch einmal zehn Tore zwischen sich und den Gastgeber zu legen, doch beruhigend war der Vorsprung bis zur 54. Minute allemal (24:16, 27:21, 30:23). Dann folgten aber drei Suhler Tore und plötzlich leuchtete in der 56. Minute ein 30:26 von der Anzeigetafel. Dazu kam, dass es auf dem Parkett ziemlich übersichtlich wurde, da einige Akteure beider Teams auf der Strafbank Platz nehmen mussten. Doch die Spielzeugstädter überstanden die kritischen Schlussminuten und schaukelten den 31:27-Auswärtssieg nach Hause - am Ende allemal verdient! Und das Ergebnis war schließlich eh zweitrangig, konnten doch die Fans einen Doppelpunktgewinn bejubeln und noch Minuten nach dem Anpfiff mit stehenden Ovationen ihre Mannschaft feiern. Die ließ sich dann auch nicht zweimal bitten und sprang zur Heimfahrt auch mit in den Ikarus. Und dabei störte es freilich niemanden, dass die Fahrt etwas länger dauerte, denn Busfahrer Andy Domhardt fuhr durch den schönen Thüringer Wald und nicht über die Autobahn. Und so konnten die Feierlichkeiten etwas verlängert werden…

Presse SHV

Sonneberg: Liptak, Thomas; Boseckert (4), Müller, Bondar (4/2), Schlücke, Weitz (4/3), Benak (7), Oehrl, Zimmermann (3), Weißbrodt (7), Rehm (2)

Strafwürfe: Suhl: 1/1, Sonneberg: 5/6
Zeitstrafen: Suhl: 6+1RK, Sonneberg: 7
Disqual.: Frank (Suhl, 56. Min., Tätlichkeit)
Zuschauer: 300