Krönung der besten Saison steht noch aus

Handball, Thüringenliga Männer, Saisonrückblick

Sonneberg. Es könnte ein höheres Zeichen sein, dass Sonnebergs Handballer mit Konstatin Zelenow jetzt einen Co-Trainer verpflichteten, der die besseren Zeiten aus Sonneberg noch kennt. Der einstige Regionalaufstieg gelang zwar erst, als Zelenow bereits nach Coburg gewechselt war, doch dort sah man sich auf dem Parkett wieder. Jetzt also kehrt der Ukrainer in die Spielzeugstadt zurück und soll Spielertrainer Manuel Müller auf der Trainerbank unterstützen – möglichst natürlich bereits in der MHV-Oberliga.

Doch die Gerichtsentscheidung über den möglichen Aufstieg in Deutschlands vierthöchste Spielklasse lässt weiter auf sich warten. Vereinsvorsitzender Alexander Ebert macht dabei auch keinen Hehl daraus, dass die Situation für alle Beteiligten unbefriedigend ist: „Es betrifft etliche Mannschaften, die Stand heute noch nicht wissen, in welcher Liga sie in der kommenden Saison spielen. So langsam aber sicher läuft uns die Zeit davon. Verhandlungen mit potentiellen Spielern und Sponsoren verzögern sich, weil diese natürlich auch Klarheit haben wollen“, gibt Ebert zu und sein Vorstandskollege Uwe Scheler ergänzt: „Wir haben bereits deutliche Signale von potentiellen überregionalen Sponsoren, die uns unterstützen würden – aber eben nur in Verbindung mit einem Aufstieg!“ Doch die Hängepartie wird nicht zur Zitterpartie, denn wirtschaftlich ist alles im Lot bei den Südthüringern. „Die Thüringenligasaison ist definitiv gesichert und auch für die MHV-Spielzeit sind wir planmäßig im Soll.“ Das wirtschaftliche wäre also geklärt. Sportlich dagegen ist noch nichts klar, auch wenn man beim Blick zurück auf die Saison schon die Männer aus der Spielzeugstadt weit vorne sah. Am Ende reichte es zwar „nur“ zum dritten Platz, doch die Art und Weise, wie sich die Mannschaft über die gesamte Saison hinweg entwickelt hat, war schon sehr beachtlich.

Bedenkt man dabei, dass die drei Neuzugänge erst kurz vor Saisonbeginn in Sonneberg ankamen und kaum Zeit hatten sich einzuleben, erscheinen die Niederlagen zum Saisonstart gleich in einem anderen Licht. Fügt man dazu noch an, dass zwei der drei Niederlagen im September jeweils mit einem Tor Unterschied ausfielen, erscheint die Konstellation am Ende noch knapper. Damals jedenfalls verlor man drei wichtige Spiele hintereinander. Erst musste man sich dabei in Eisenach (28:29), dann gegen Jena (20:23) und anschließend noch in Mühlhausen (27:28) geschlagen geben. In der Folgezeit aber spielte sich die Mannschaft immer besser ein und zeigte eine gewisse Trotzreaktion. Mit unglaublichen 14 Spielen ohne Niederlage stellte man dabei auch einen Vereinsrekord auf. Von Oktober bis März verließ man das Parkett zwölfmal als Sieger und zweimal trennte man sich Remis (in Jena und in Ronneburg). Es war eine Zeit, in der einige zu träumen wagten, was denn am Ende der Saison rausspringen könnte. Denn die Konkurrenz ließ auch Federn und so verkürzte sich der Rückstand auf die Tabellenspitze immer mehr. Ausgerechnet beim ultimativen Spitzenspiel aber erwischten die Spielzeugstädter einen gebrauchten Tag. Ronneburg gewann damals in Sonneberg vollkommen verdient mit 35:30 und verteidigte und festigte so eindrucksvoll die Tabellenspitze. Die anschließenden fünf Siege in den letzten fünf Spielen fanden dabei sicher keine ausreichende Würdigung, denn das verpassen der Meisterchance nagte doch an einigen. Doch trotz dieser einen empfindlichen Niederlage rappelte sich die Mannschaft auch in den letzten Punktspielen auf und klammerte sich an den letzten Strohhalm. Besonders eindrucksvoll war dabei sicherlich der Saisonabschluss in Apolda. Dort ging es sprichwörtlich nur noch um die goldene Ananas, denn die Platzierungen waren im Prinzip bereits vergeben, und doch siegten die Gäste aus Südthüringen mit 32:13! Anschließend erst hängende Gesichter, denn sowohl Meisterschaft als auch Aufstieg waren in weiter Ferne, da man im Abschlussklassement nur auf dem dritten Rang einkam. Doch das Verzichten des Meisters aus Ronneburg auf den Aufstieg und der Rückzug Mühlhausens eröffneten den Spielzeugstädtern doch noch einmal die Gelegenheit aufzusteigen – bisher zumindest theoretisch, denn bekanntlich warten alle gespannt auf die Entscheidung des Sportgerichts.

Unabhängig davon muss man der Mannschaft um Spielertrainer Manuel Müller ein großes Lob für die gezeigte Leistung in der abgelaufenen Saison 2016/2017 aussprechen. Die Neuzugänge wurden perfekt integriert und avancierten gleich zu Leistungsträgern. Ebenso war ein Leistungssprung im gesamten Team erkennbar. Das wird einerseits deutlich an der Zahl der erzielten Treffer, denn Sonneberg hat mit 754 Toren mit Abstand den Spitzenwert der gesamten Liga (31,4 Tore pro Spiel). Andererseits haben sich aber auch andere Spieler in den Fokus gespielt bzw. waren die Torschützen besser verteilt. Zu den Dauerbrennern der Saison, die alle 24 Punktspiele dabei waren, zählen neben dem aufstrebenden Jüngsten im Team Nils Boseckert, auch Abwehrstratege Andreas Schlücke und der Torschützenkönig, Neuzugang Marius Bondar (196 Treffer). Der Linkshänder überzeugte dabei mit Raffinesse und Klasse und demonstrierte eindrucksvoll, dass er auch schon international Erfahrung sammeln konnte. Ebenfalls zu den besten Torschützen gehörte ein weiterer Neuzugang. Krisztian Benak erzielte 127 Treffer, führte dabei aber auch klug Regie und setzte seine Nebenleute immer wieder gekonnt in Szene. Einer von jenen ist Moritz Weitz - ein Dauerbrenner im Team was das Torewerfen anbelangt. Mit 150 Treffern ist er zweitbester Torschütze der abgelaufenen Saison. Doch der Linksaußen hat ein ähnlich starkes Pendant auf dem rechten Flügel. Dort wirbelte neben dem besagten Boseckert wie gewohnt auch Mike Weißbrodt. Beide kommen zusammen ebenfalls auf einen Spitzenwert von 110 Treffern.

Doch nicht nur im Angriff gefiel den durchschnittlich 320 Zuschauern bei Heimspielen, was sie sahen. Auch in der Abwehr wurde beherzt zugepackt. Kreisläufer Tom Rehm führt dabei fast schon traditionell die Liste der am meisten bestraften Spieler an – doch er spielt eben mit extrem viel Herzblut. Nicht zu vergessen sind Kapitän Philipp Oehrl und Torsten Zimmermann, die sowohl hinten als auch vorne als Allrounder für die nötige Entlastung der anderen und zusätzliche Impulse sorgten. Aus verschiedenen Gründen nicht zu Ende spielten die Saison Martin Schmidt (familiäre Gründe), Martin Schleuchardt (Kreuzbandriss) und Michael Wolf. Letzterer wechselte studienbedingt nach Oberbayern, hatte mit dem dritten Neuzugang Mate Liptak aber einen mehr als würdigen Ersatz. Liptak und sein Torhüterkollege Nils Thomas bildeten jedenfalls eines, wenn nicht das beste Torhüterduo der Thüringenliga. Und so verwundert es nicht, dass René Thomas, der Vater von Nils, auch ehemaliger Bundesligatorhüter, in der kommenden Saison das Torhütertraining unterstützen bzw. übernehmen wird.

Zu guter Letzt geht noch ein Dank an Christian Bartl, Paul Dietrich und Robert Blechschmidt, die sich im Saisonverlauf in den Dienst der Mannschaft stellten, als es verletzungsbedingte personelle Engpässe gab.

Presse SHV