Ernüchterung macht sich breit

Handball, Thüringenliga Männer, 2. Spieltag, Bericht

Sonneberger HV – LSV Ziegelheim 29:30 (11:16)

Sonneberg. Was für ein Heimspielauftakt. Mit Ehrgeiz, Einsatz, Leidenschaft und  Effizienz spielten sie – die Ziegelheimer – und vermasselten den Männern des Sonneberger Handballvereins (SHV) so den Heimauftakt in die neue Thüringenligasaison gehörig. Wobei, eigentlich waren die Mannen vom Trainerduo Manuel Müller und Konstantin Selenow selbst schuld. Spielerisch waren sie der Rumpftruppe aus Ziegelheim sicherlich überlegen, aber wie schon in Saalfeld fehlte es an der nötigen Entschlossenheit und so ist die 29:30-Niederlage auch vollkommen verdient.

Es fing schon nicht gut an. Die Gäste aus Ostthüringen, angereist mit lediglich acht Spielern inklusive Torhüterurgestein Torsten Urwank, führten schnell mit 4:1. Und auch in der Folgezeit legten die Ziegelheimer immer wieder vor. Beim Stande von 5:9 sah sich die Sonneberger Bank zu einer ersten Besprechung genötigt. Doch auch nach der Auszeit fiel den Gastgebern nicht genügend ein, um den Ziegelheimer Spielfluss zu stoppen. Vor allem die Abwehr stand ein ums andere mal viel zu offen. Allein im Angriff sorgte vor allem Marius Bondar immer wieder für Lichtblicke und hielt seine Farben im Spiel. Sieben seiner insgesamt 13 Treffer erzielte er im ersten Durchgang. Und als man nach 21 Minuten beim Stande von 10:11 erstmals wieder richtig Tuchfühlung aufgenommen hatte, folgte die nächste schwächere Phase. Ziegelheim dagegen spielte unbeirrt weiter und zog bis zum Pausenpfiff auf 16:11 davon.

Die Halbzeitansprache von Konstantin Selenow war wohl dann doch etwas lauter, zumindest glaubte man nach dem Seitenwechsel daran, dass die Hausherren das Spiel nun drehen könnten. Nach drei gespielten Minuten jedenfalls stand es nur noch 14:16 und sowohl auf der Platte als auch auf den Rängen keimte die Hoffnung, dass der Heimspielauftakt doch noch zu retten war. Doch es folgte eine nächste Schwächephase, in der man den Gegner stark und sich selbst fast gänzlich kaputt machte. Mit viel zu vielen einfachen Fehlern machte man es den Ziegelheimern aber auch leicht. Diese erkannten und nutzten ihre Chance und zogen auf 23:16 davon (41. Minute). Die Vorentscheidung meinten viele. Doch auf einmal besannen sich die heimischen Mannen um die beiden rumänischen Neuzugänge George Alexandru Cadar und Marius Constantin Ignat und probierten noch einmal etwas. Bei Ziegelheim merkte man den Kräfteverschleiß und die Spielzeugstädter drückten aufs Tempo. Vor allem Letztgenannter netzte insgesamt fünfmal ein und war gefühlt einer der Wenigen, die in der Schlussphase noch einmal den nötigen Biss an den Tag legten. Und so wurde es in der Schlussphase doch noch einmal spannend. Sonneberg verkürzte Tor um Tor und war nach dem zwischenzeitlichen 19:23 beim 23:24 wieder voll im Rennen. Eine Wiederauferstehung gerade noch zur rechten Zeit, hofften die gut 200 Zuschauer. Doch statt dem Ausgleich legte Ziegelheim nach einem erneuten technischen Fehler der Sonneberger wieder vor. Doch das Spiel war jetzt an Spannung kaum noch zu überbieten (24:26, 26:27). Die letzten drei Spielminuten läutete Ignat mit einem energischen Tor zum 28:29 ein und sein Gegner bekam folgerichtig noch eine Zeitstrafe aufgebrummt. Nun schien die Zeit für die Spielzeugstädter gekommen zu sein. Hinten konnte man endlich einmal einen Ball abbeißen und vorne traf Bondar vom Strafwurfpunkt. Ausgleich! 29:29! Das erste Mal in dieser Partie lagen die Hausherren nicht mehr zurück. Und es waren sogar noch 90 Sekunden zu spielen.

Doch jetzt schlug endgültig die Zeit vom zweiten Ziegelheimer Urgestein, Steffen Moritz. Mit all seiner Routine holte er fast im Alleingang eine Minute von der Uhr, spielte dabei gekonnt auf Zeit und holte schlussendlich sogar noch einen Strafwurf heraus. Nachdem er schon vorher die Tore 27 und 28 für seine Farben besorgte, hämmerte er auch noch den fälligen Strafwurf zum eigenen 30. Treffer in die Maschen. Ziegelheim war wieder vorn. Beide Mannschaften hatten nur noch fünf Spieler auf dem Parkett, weil Ignat bereits 30 Sekunden vor Schluss mit einer Zeitstrafe vom Parkett geschickt wurde, weil er den Abstand beim Freiwurf nicht richtig einhielt. Sicherlich kleinlich, aber eben auch nicht falsch, was die beiden Unparteiischen da entschieden.

Doch das Herzschlagfinale stand noch aus. Nach dem erwähnten 30:29-Führungstreffer für Ziegelheim hatten die Hausherren noch neun Sekunden Zeit, wenigstens einen Zähler zu retten. Sofort kam die grüne Karte zur Auszeit. Ein letzter Spielzug wurde besprochen. Nach Wiederanpfiff landete der Ball über die Stationen Bondar, Cadar und Benak schließlich auf Rechtsaußen bei Mike Weißbrodt. Der segelte zwar schön durch die Luft, scheiterte aber an Urwank. Doch alle in der Halle hatten es gesehen. Weißbrodt wurde klar und regelwidrig beim Torwurf behindert, zudem stand sein Gegenspieler im sogenannten Kreis. Eigentlich erwarteten alle die folgerichtige Entscheidung der beiden Schiedsrichter – wie kurz zuvor auf der anderen Seite auch. Doch die Pfeife blieb stumm. Entsetzten auf der einen Seite, Jubelstürme auf der anderen. Die Erklärung auf die Frage, warum das Schiedsrichtergespann Dähne/Scholz den fälligen Strafwurf verwehrte, konnte man im Sonneberger Lager nicht nachvollziehen. Doch es blieb eben dabei. Ziegelheim gewinnt überraschend mit 30:29 in Sonneberg und fügt den ambitionierten Spielzeugstädtern damit die zweite Niederlage im zweiten Saisonspiel bei.

Am Ende muss man aber ganz klar sagen, dass die Niederlage, auch trotz der krassen Fehlentscheidung in der Schlusssekunde, dennoch verdient war. Ziegelheim spielte einfach mit mehr Herzblut und entführte so folgerichtig beide Punkte. Für die Südthüringer brechen also gleich zu Saisonbeginn harte Zeiten an. Bis zum nächsten Punktspiel hat man jetzt allerdings genügend Vorbereitungszeit, denn dieses findet erst am 14. Oktober statt. Dann gastiert zum zweiten Heimspiel Apolda II in Sonneberg. Vorher gibt es aber auch noch einmal Handball in der SBBS. Am 30. September empfangen die Spielzeugstädter zum Pokalspiel eine Mannschaft, die ihnen soeben eine empfindliche Pleite beifügte – richtig: Ziegelheim!

Presse SHV