1. Männer: Erster überzeugender Heimsieg

Handballer kommen in Schwung

Handball, Thüringenliga Männer, 5. Spieltag, Bericht

Sonneberger HV – SV Town & Country Behringen/Sonneborn 40:27 (20:11)

Sonneberg. Den zurückliegenden Spieltag der Thüringenliga kann man mit 6 Erkenntnissen kurz und knapp wie folgt beschreiben: 1.: Der Sieg in Jena von letzter Woche tat den Spielzeugstädtern sehr gut, denn 2.: müssen diesmal gleich zwei Spieler einen Freikasten spendieren. 3.: Auch die Südthüringer können die 40-Tore-Marke knacken, müssen aber 4.: noch kräftig am Spiel mit dem zusätzlichen Feldspieler arbeiten. Außerdem 5.: Der Favoritenkreis hat sich weiter vergrößert und 6.: Die Sonneberger sind wieder mitten drin.

Aber der Reihe nach: Nach dem 23:22-Auswärtssieg der Vorwoche beim Meisterschaftsfavoriten in Jena befürchteten zwar einige, dass man den Gegner aus Behringen und Sonneborn vielleicht auf die leichte Schulter nehmen könnte. Die Mannschaft belehrte viele aber eines besseren und zeigte sich hochmotiviert und voll konzentriert. Der 40:27-Heimsieg fiel dabei noch im Rahmen aus, denn durch etliche Sonneberger Fehler im zweiten Durchgang blieb das Ergebnis aus Behringer Sicht erträglich. Dennoch gab es am Ende viel Grund zur Freude, denn durch die 40 erzielten Treffer müssen gleich zwei Spieler eine Freikiste ihrer Wahl zahlen. Diesmal trifft es Neuzugang George Cadar (30. Tor im Spiel) und Tom Rehm (40. Tor). Ebenfalls 40 Tore erzielte übrigens die Bundesligareserve aus Eisenach beim gleichzeitig stattfindenden Duell in Saalfeld. Sie gewannen dort 40:25. Viel knapper ging die Partie Suhl gegen Jena aus. Die Waffenstädter mussten sich erneut nur mit einem Tor geschlagen geben (28:29) und steckten deshalb ihre zweite Saisonniederlage ein. Die erste gab es in Mühlhausen (34:35). Da man ansonsten dreimal gewinnen konnte, zählt man spätestens jetzt zum erweiterten Favoritenkreis der Thüringenliga. Aus Sicht der Spielzeugstädter ist das natürlich doppelt schön, denn einerseits gibt es nunmehr wieder drei starke Teams in Südthüringen und andererseits versprechen die Derbys schon jetzt viel Spannung und Dramatik. Aktuell zumindest liegen die drei Südthüringer Teams aus Werratal, Suhl und Sonneberg nach Minuspunkten gleich auf. Alle haben erst zwei Spiele verloren und befinden sich somit in Schlagdistanz zu Tabellenführer Eisenach (13:1 Punkte) und den zweitplatzierten Mühlhäusern (11:3 Punkte). Ebenfalls vier Minuspunkte weist Jena auf. Die an sich auch hoch gehandelten Hermsdorfer (5 Minuspunkte) und Ronneburger (7 Minuspunkte) liegen zumindest in dieser Statistik schon zurück. Aber die Saison ist bekanntlich noch lang und es kann noch so einiges passieren. Das dritte Heimspiel in dieser Spielzeit aber beherrschten die Spielzeugstädter nach Belieben und waren von Beginn an hellwach.

Die Partie an sich aber begann mit einer Schweigeminute. Viele Jahre begleitete Stefan Thomas den Sonneberger Handballverein freundschaftlich als Fotograf, der stets und ständig zur Stelle war, wenn er gebraucht wurde. In der letzten Woche aber verlor er den Kampf gegen seine schwere Krankheit. Die gut 250 Zuschauer, Spieler und Verantwortliche gedachten ihm und seinen Angehörigen.

Und als ob die Mannschaft noch einmal Danke sagen wollte, zeigte sie erstmals in dieser Saison in eigener Halle den Handball, den alle sehen wollen. Kraftvoll, energisch mit viel Leidenschaft und Einsatz! Die Gäste aus Behringen/Sonneborn konnten einem im ersten Durchgang fast leidtun, denn sie waren kein gleichwertiger Sparringspartner. Mit einer sattelfesten Abwehr und einem diesmal dahinter stehenden, stark haltenden Mate Liptak im Tor demonstrierten die Spielzeugstädter von Beginn an Stärke. Nach dem 2:0 und 5:3 zündeten die Schützlinge vom Trainergespann Manuel Müller und Konstantin Selenow den Turbo, enteilten auf 10:3 und sorgten so innerhalb von wenigen Minuten für klare Verhältnisse. Bis zum Pausenpfiff wurde die eigene Führung auf 20:11 ausgebaut. Die Hausherren agierten diesmal so souverän, dass die beiden Trainer bereits im ersten Durchgang einen Test einleiteten. Zum ersten Mal überhaupt wurde im Punktspielbetrieb die Variante mit einem zusätzlichen Feldspieler getestet. Dieser kommt für den Torhüter aufs Feld und soll vor allem in Unterzahl für mehr Variabilität im Angriff sorgen. Im zweiten Durchgang dann praktizierte man dies auch in Gleichzahl und spielte so immer mit einem Mann mehr im Angriff. Was bei Bundesligaspielen so einfach aussieht, hat natürlich auch einen kleinen, aber feinen Nachteil. Der Wechsel zurück auf den Torhüter muss rasend schnell erfolgen, damit dieser wieder in seinen Kasten kommt, bevor der gegnerische Angriff läuft. Und genau daran haperte es noch gewaltig. „Aber wann sollten wir das testen, wenn nicht in einem solchen Spiel?“ Fragte fast entschuldigend Spielertrainer Manuel Müller nach der Partie.

Und an sich hatte er auch recht. Das Spiel war gefühlt spätestens zur Halbzeit entschieden. Aber auch nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Spielzeugstädter in wahrer Spiellaune und liefen einen Konter nach dem anderen. Ebenfalls überzeugend war der Auftritt in der zweiten Welle und im Positionsangriff. Einziger Wermutstropfen aber blieb das Wechselverhalten zurück auf den Torhüter. Da erst Mate Liptak und später Nils Thomas immer wieder zu spät ins Tor zurückkamen, kassierte man allein dadurch acht einfache Gegentreffer. „Der Spieler, der zurückwechseln soll, muss einfach viel schneller wieder raus“, erkannte Coach Müller, nahm seine Torhüter damit in Schutz und wusste sogleich, wo er in der nächsten Trainingswoche den Hebel anzusetzen hatte. Auf das Spiel hatte diese Maßnahme übrigens kaum Einfluss, denn bereits kurz nach Wiederbeginn war es Moritz Weitz vorbehalten, die erstmalige 10-Tore-Führung zu erzielen (22:12). Diese wurde konstant gehalten bzw. noch ausgebaut. Nils Boseckert war es, der vier Minuten vor Schluss gar auf 39:24 stellte. Über die einfachen Gegentore ins verwaiste Sonneberger Tor konnten da freilich alle nur noch schmunzeln. Aber wer weiß, für was diese Übung noch einmal gut sein wird.

Presse SHV

Sonneberg: Liptak, Thomas; Boseckert (3), Müller, Bondar (12/2), Schlücke, Weitz (6/4), Benak (3/1), Cadar (6), Oehrl (2), Ignat (3), Rehm (5)

Strafwürfe: Sonneberg: 7/9; Behringen/Sonneborn: 0
Zeitstrafen: Sonneberg: 4; Behringen/Sonneborn: 5
Zuschauer: 250

SHV intern

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