Spielzeugstädter deklassieren Holzländer

Handball, Thüringenliga Männer, 8. Spieltag, Bericht

SV Hermsdorf – Sonneberger HV 18:29 (10:13)

Sonneberg/Hermsdorf. Wenn die Fans und Verantwortlichen des Unterlegenen nach einem Spiel von einer verdienten Niederlage und sogar von einem Klassenunterschied sprachen, müssen die Verhältnisse auf dem Parkett eindeutig gewesen sein. Das Endergebnis, 18:29 aus Sicht des Gastgebers Hermsdorf spricht dabei eine deutliche Sprache. Vor allem im zweiten Durchgang blühten die Gäste aus Sonneberg auf und demonstrierten Stärke beim MHV-Absteiger aus Ostthüringen. Nach dem sechsten Sieg in Serie feierten die Spielzeugstädter nicht nur den ersten Doppelpunktgewinn in Hermsdorf seit ewigen Zeiten, sie können so langsam aber sicher auch wieder Richtung Tabellenspitze schielen. Zumindest nach Minuspunkten ist man nunmehr nämlich ganz vorne. Doch die nächsten Partien haben es ebenso in sich und deshalb verbietet sich aktuell noch der Gedanke nach der Tabellenführung. Wobei, nach der gezeigten Leistung bei den Kreuzrittern im Holzland träumte wohl doch der eine oder andere, denn es war schon Spitzenklasse, was die Südthüringer da aufs Parkett zauberten.

Angefangen von einem überragenden Mate Liptak im Tor, der seine Vorderleute zusätzlich motivierte und der sprichwörtliche Fels in der Brandung war, zeigte auch die Abwehr erneut eine phantastische Arbeit. Da wurde verschoben, gekämpft und gerackert was das Zeug hielt. Und vorne, ja vorne hat man seit einigen Spielen kein Problem mehr. Am Samstagabend kam eine derart abgeklärte Effizienz dazu, dass alle in der Halle staunten. So können Spiele laufen, in denen wirklich alles klappt, daran sollte man auf Seiten der Gäste immer wieder demütig denken. Auch wenn aktuell natürlich noch das Glücksgefühl überwiegt.

Die erste Hälfte gestaltete sich noch relativ ausgeglichen, wobei die Spielzeugstädter stets vorlegten. Beim 3:2 führten sie erstmals, erhöhten dann schnell auf 6:3 (13. Minute) und waren in der 25. Spielminute erstmals mit sechs Toren weg (13:7). Anschließend gönnte man sich allerdings schon eine Verschnaufpause noch während der regulären Spielzeit, sodass die Gastgeber bis zum Pausenpfiff noch verkürzen konnten (10:13 Halbzeitstand). Erfreulich aus Sicht der Sonneberger bereits im ersten Durchgang war, dass man für alle Aufgaben, die Hermsdorf so stellte, die passende Antwort hatte. So begann zum Beispiel Nils Boseckert diesmal auf Rechtsaußen und Marius Bondar spielte im Rückraum, weil Philipp Oehrl nur angeschlagen auf der Bank saß und planmäßig nicht zum Einsatz kommen sollte. Das Trainergespann Manuel Müller und Konstantin Selenow musste dann in der Folgezeit erneut reagieren, denn sowohl Krisztian Benak als auch Marius Bondar wurden kurz gedeckt. Die sich dadurch bietenden Räume nutzten jedoch die anderen Sonneberger gnadenlos aus. Vor allem als man vom Pausentee zurückkam, brannten die Spielzeugstädter ein kleines Feuerwerk ab. Hinten schuftete die Abwehr und Liptak im Tor glänzte mit sehenswerten Paraden. Vorne liefen alle zur Hochform auf und spielten die Hausherren an die Wand. Von 13:10 erhöhte man binnen fünf Minuten auf 18:10. Keine weiteren zehn Minuten später gelang Marius Bondar die erstmalige Zehn-Tore-Führung (21:11) und Krisztian Benak setzte in Unterzahl noch einen drauf. In der 45. Spielminute war die Partie beim Stande von 23:12 praktisch entschieden. Dem ebenfalls stark aufspielenden Moritz Weitz war es in der 51. Spielminute vorbehalten, die Zwölf-Tore-Führung zu erzielen (26:14). Anschließend beschränkten sich die Südthüringer nur noch aufs Verwalten der eigenen Führung, ohne dabei erheblich nachzulassen. Der 29:18-Auswärtssieg geriet dabei keinesfalls in Gefahr, obwohl die Hermsdorfer jetzt zu rabiaten Mitteln griffen und ein ums andere Mal unfair zu Werke gingen. Der Stachel der Niederlage und die Deutlichkeit, wie diese zu Stande kam, saßen doch sehr tief. Dennoch sollte sich eine derart erfahrene Mannschaft auch am Ende eines solch klaren Spiels im Griff haben. Nach dem Schlusspfiff aber war auf Seiten der Spielzeugstädter alles vergessen. Auch Mate Liptak konnte wieder lachen. Er musste kurz vor Schluss nach einem völlig unnötigen Kopftreffer benommen vom Parkett und konnte nicht mehr weiter spielen.

Für ihn, aber auch natürlich für alle anderen gilt es jetzt kühlen Kopf zu bewahren, sich entsprechend zu regenerieren und unter der Woche vernünftig zu trainieren. Am kommenden Samstagabend steigt dann das nächste Spitzenspiel in eigener Halle. Zu Gast ist dabei der HSV Ronneburg und gegen den hat man aus der letzten Saison noch eine kleine Rechnung offen.

Presse SHV

Sonneberg: Liptak, Thomas; Boseckert, Müller, Bondar (8/1), Schlücke, Weitz (5/1), Benak (5/3), Cadar (6), Oehrl, Zimmermann, Ignat (3), Rehm (2)

Strafwürfe: Hermsdorf: 2/3; Sonneberg: 5/7;
Zeitstrafen: Hermsdorf: 7+1RK; Sonneberg: 6;
Disqual.: Krüger (Hdf., 59. Min., 3x2 min)
Zuschauer: 420