Es hat getrillert

Handball, Thüringenliga Männer, 16. Spieltag, Bericht

Sonneberger HV – HBV Jena 26:31 (13:15)

Sonneberg. Es war das Spiel der besten Angriffsreihe gegen die beste Abwehrreihe der Thüringenliga. Am Ende gewinnt das Team mit dem besseren Angriff – vor allem auch deshalb, weil ein Sebastian Triller in Gala-Form aufläuft. Der Linkshänder in den Farben von Jena erzielt 15 von 31 Jenaer Treffern und ist damit natürlich der Sieggarant. Auf Seiten der Spielzeugstädter vermochte ein angeschlagener Marius Bondar mit neun Treffern nicht entscheidend dagegen zu halten. Viel ernüchternder aber ist, dass kaum ein Spieler der Südthüringer in der Lage war, entscheidende Impulse für eine Wende im Spiel zu setzen. Zwar mühten sich Krisztian Benak und Marius Ignat nach Kräften (je 6 Tore), doch Jena trat insgesamt geschlossener auf und hatte den größeren Siegeswillen. Die 26:31-Heimpleite der Spielzeugstädter geht damit vollends in Ordnung.

„Es war meine Schuld. Ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen“, nimmt Coach Konstantin Selenow am Sonntag die Last von den Schultern seiner Spieler. „Vielleicht war es die falsche Taktik, vielleicht haben wir falsch gewechselt. Ich bin ratlos, denn gekämpft haben alle bis zum Schluss.“ Es sollte am Ende nicht sein. „Jena hat einen super Tag erwischt, wir einen rabenschwarzen und so verlierst du am Ende vielleicht zu hoch, aber auf jeden Fall verdient.“ Es schwingt Ernüchterung mit in der Stimme des Ukrainers, der schon Bundesliga und in der ukrainischen Nationalmannschaft spielte und einiges gesehen hat. Auf die Frage angesprochen, ob er wie viele Zuschauer den Schiedsrichtern eine Mitschuld gibt, wiegelte Selenow ab: „Unser Ziel heißt Aufstieg und wir können eine solche Niederlage doch nicht an den Schiedsrichtern festmachen. Sie haben ihren Job genauso gemacht wie wir. Eine Benachteiligung konnte ich nicht erkennen und gut, darüber sollten wir nicht weiter diskutieren.“ Viel mehr wird über die sportliche Leistung an sich zu reden sein und über die eigenen Zielstellungen im Verein, denn diese Leistung war eines Meisters und Aufsteigers nicht würdig.

Jena zeigte von Beginn an, dass sie nicht nach Sonneberg gekommen waren, um Geschenke zu verteilen. Die 22:23-Niederlage aus dem Hinspiel stachelte die Gäste von der Saale noch zusätzlich an, dass spürte man förmlich. Und so konnten die Jenenser immer wieder vorlegen, sich im ersten Durchgang aber nicht entscheidend absetzen (4:5, 6:8, 9:10 aus Sicht von Sonneberg). Kurz vor dem Wechsel verkürzte Bondar zwar wieder auf 13:14, doch Triller sorgte praktisch mit dem Pausenpfiff für die 15:13-Halbzeitführung für seine Farben. Nach dem Seitenwechsel ein ähnliches Bild. Jena bestimmte gefühlt stets die Begegnung und die Hausherren rannten nicht nur ständig einem Rückstand hinterher. Sie reagierten lediglich auf alles was Jena tat, statt selbst aktiv zu werden. Und so schwang auf den Rängen bei den über 400 Zuschauern natürlich auch eine Portion Enttäuschung mit. Die Stimmung auf der Tribüne war dennoch, wie das Spiel an sich auch, einem Spitzenspiel würdig und in der Form Werbung für den Handballsport. Aus Sicht der Spielzeugstädter bringt das allerdings erst einmal gar nichts, denn beide Punkte sind verloren – genauso wie der direkte Vergleich gegen Jena. Und der zählt bekanntlich bei Punktgleichheit am Saisonende. Doch bis dahin ist es noch ein weiter weg. Jena und Sonneberg haben nunmehr acht Minuspunkte, Mühlhausen neun. Alle anderen Teams nahmen sich am zurückliegenden Spieltag gegenseitig die Punkte weg und werden wohl nicht mehr ins Meisterschaftsrennen eingreifen können. Es könnte also erneut ein Dreikampf werden. Und das Wort Kampf beschreibt die nächsten Wochen der Spielzeugstädter wahrscheinlich am besten. Bereits in der kommenden Woche ist Charakter gefragt, denn in Behringen/Sonneborn kann man auch leicht einmal den Kürzeren ziehen. Weiterhin müssen die Südthüringer im Saison-Schlussakt unter anderem noch nach Eisenach, Ronneburg und Mühlhausen und empfangen in eigener Halle mal nebenbei Werratal, Suhl und Hermsdorf. Wahrlich alles keine Mannschaften von Pappe. Neben diesen sieben Spielen gibt es weitere drei, gegen vermeintlich schwächere Gegner. Aber auch gegen solche, gab es in dieser Spielzeit schon Pleiten. Der klassische Ausspruch, „ab jetzt haben wir nur noch Endspiele“, trifft im Meisterschaftskampf der Thüringenligasaison 2017/2018 also einmal mehr auch auf die erste Männermannschaft des Sonneberger Handballvereins zu.

Presse SHV

Sonneberg: Liptak, Thomas; Boseckert, Müller, Bondar (9/1), Schlücke, Weitz (1), Benak (6), Cadar (2), Oehrl (1), Zimmermann, Ignat (6), Rehm (1)

Strafwürfe: Sonneberg: 1/1, Jena: 7/7

Zeitstrafen: Sonneberg: 3, Jena: 4

Zuschauer: 430