1. Männer: Souveräner Auswärtssieg in Ronneburg

Als Einheit zum Sieg

Handball, Thüringenliga Männer, 21. Spieltag, Bericht

HSV Ronneburg – Sonneberger HV 27:30 (10:16)

Sonneberg/Ronneburg. Die Thüringenligamänner des Sonneberger Handballvereins (SHV) haben am vergangenen Samstagabend ein intensives und kampfbetontes Spiel in Ronneburg mit 30:27 gewonnen – gleichzeitig aber zwei weitere Spieler verloren. Nach einer starken ersten Halbzeit, die man mit 16:10 gewann, konnte man sich im zweiten Durchgang souverän über die Zeit retten, auch wenn die Kräfte bei den Akteuren auf dem Parkett sichtbar schwanden. Umso mehr gilt es der Truppe Respekt und Anerkennung zu zollen, was die zahlreichen mitgereisten Fans auch lautstark von der Tribüne aus taten.

Aber der Reihe nach: Nachdem man sich unter der Woche von gleich fünf Akteuren trennte, waren die Vorzeichen für diese schwierige Auswärtspartie in Ronneburg alles andere als rosig. Mit vier reaktivierten Spielern wollte man zumindest quantitativ ordentlich besetzt sein. Und mehr oder weniger unfreiwillig, konnte man auf Seiten der Spielzeugstädter von Glück reden, genügend Personal mitgenommen zu haben. Im ersten Durchgang wurde Marius Ignat nach einer Tätlichkeit mit der blauen Karte vom Platz geschickt. Es war eine harte, aber dem Regelwerk nach vertretbare Entscheidung – so zumindest die Aussage der an sich gut pfeifenden Schiedsrichter Beyer/Wagner, die einen Ellenbogenschlag von Ignat gesehen hatten. Die Südthüringer legten nach der Partie zwar Protest gegen diese Tatsachenentscheidung ein, denn auf Videoaufnahmen war eindeutig erkennbar, dass überhaupt nichts passiert war, doch muss man wohl davon ausgehen, dass Ignat mindestens zwei Spiele gesperrt wird. Sein Gegenüber, der ihn von der ersten Minute an überhart anfasste, konnte übrigens die gesamte Spielzeit durchhalten. Aber das ist nur eine Randnotiz. Viel schlimmer war eine Aktion in der 38. Minute. Der wieder stark aufspielende George Cadar setzte sich durch, sprang durch die Lücke und wurde von seinem Gegenspieler von der Seite übel im Gesicht getroffen. Für ihn war die Partie gelaufen, für seinen Gegenspieler nach der dritten Zeitstrafe zwar auch, aber für Cadar ist vermutlich außerdem die gesamte Saison zu Ende. Mehrere Zähne verlor er bei dieser Attacke. Eine erste Untersuchung im Klinikum Suhl bestätigte zumindest keinen Kieferbruch. Wie es nun weitergeht, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Cadar traf trotz des rüden Einsteigens seines Gegenspielers ins Tor. Es war sein drittes Tor am Stück, sein siebtes insgesamt und zugleich die 22:14-Führung für Sonneberg. Er konnte die Partie anschließend nicht mehr fortsetzen und musste notdürftig behandelt werden. Für einen Ur-Sonneberger bedeutete dies, dass er nicht nur ein paar Minuten aushelfen musste, sondern die gesamte Partie zu Ende spielte. Gemeint ist Martin Blechschmidt. Er kam bereits nach 20 Minuten, um Spielertrainer Manuel Müller eine Pause zu gönnen. Nach der Disqualifikation von Ignat und dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Cadar erübrigte sich allerdings die Frage, ob Blechschmidt selbst mal eine Pause bräuchte. Im Gegenteil. Auch Pit Poser musste nun Einspringen und vor allem im Deckungsverband mit rackern, um Marius Bondar für den Angriff zu entlasten. Da auch Krisztian Benak, der sich unter der Woche mit einem Magen-Darm-Infekt herumplagte, nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, krochen zum Ende des Spiels fast alle auf dem sprichwörtlichen Zahnfleisch.

Aber sie bissen die Zähne zusammen, vor allem Coach Müller brachte immer wieder die Ruhe rein und bildete mit Blechschmidt zusammen einen guten Innenblock. Erinnerungen an vergangene Zeiten wurden dabei nicht nur auf dem Parkett wach. Auch viele Sonneberger Fans fühlten sich an erfolgreiche Jahre zurückerinnert. Und so gelang es den Spielzeugstädtern, nach der 16:10-Halbzeitführung, auch im zweiten Durchgang immer wieder vorzulegen. In der 46. Minute traf Müller selbst vom Kreis zum 26:18. Bis dahin hatten die Südthüringer – allen voran Andreas Schlücke – Ronneburgs gefährlichsten Angreifer Mirko Alexy im Griff. Dieser konnte sich kaum von Schlücke lösen. Doch als die Kräfte schwanden und der Angriff-Abwehr-Wechsel nicht mehr so schnell funktionierte, konnte sich Alexy immer wieder über die schnelle zweite Welle durchsetzen. Doch mit viel Routine und dem nötigen Glück des Tüchtigen erarbeiteten sich die Sonneberger immer wieder eigene Tore und hielten die Gastgeber so auf Distanz. Und als in der 55. Minute Peter Deli von Rechtsaußen energisch zum 29:22 und kurze Zeit später Marius Bondar zum 30:24 (57. Min.) traf, war die Messe gelesen. Die folgenden drei Ronneburger Tore können getrost als Ergebniskosmetik abgehakt werden.

Am Ende steht ein verdienter, souverän herausgespielter 30:27-Auswärtssieg der Spielzeugstädter, die über die gesamte Spielzeit leidenschaftlich kämpften und sich als wahre Einheit präsentierten. Mit dieser Einstellung und der gezeigten Leistung braucht man sich im Saisonendspurt jedenfalls nicht zu verstecken und sollte die Spielzeit ordentlich zu Ende spielen können.

Presse SHV

Sonneberg: Liptak, Thomas; Müller (1), Bondar (11/6), Schlücke, Benak (5/1), Cadar (7), Dietrich, Blechschmidt (1), Schleuchardt, Poser, Ignat (1), Deli (4)

Strafwürfe: Ronneburg: 6/8; Sonneberg: 7/7

Zeitstrafen: Ronneburg: 7+1RK; Sonneberg: 3+1RK

Disqualifikation: Ignat (Sbg., 22. Min, Tätlichkeit, blaue Karte), Stölzner (Rbg., 38. Min., 3x2min)

Zuschauer: 350

SHV intern

Free Joomla! template by L.THEME