1. Männer: Und da war sie, die erste Pleite

Vermeidbare, aber verdiente Niederlage im Spitzenspiel

Handball, Thüringenliga Männer, 14. Spieltag, Bericht

SV Hermsdorf – Sonneberger HV 24:21 (12:13)

Sonneberg/Hermsdorf. Alles war angerichtet. Das Spitzenspiel der Thüringenliga zwischen den noch ungeschlagenen Sonnebergern und deren unmittelbarem Verfolger aus Hermsdorf zog fast 600 Zuschauer in seinen Bann. Eine wahnsinnige Stimmung in der „Hölle Ost“ in Hermsdorf. Die Werner-Seelenbinder-Sporthalle bebte. Auch auf der Gäste-Tribüne blieb kein Platz frei, knapp 70 Sonneberger Fans wollten sich dieses epische Duell nicht entgehen lassen und im besten Fall einen vorentscheidenden Schritt in Richtung Meisterschaft feiern.

Vielleicht war es dieser Gedanke, vielleicht war es die „rote Wand“ der Hermsdorfer Fans oder vielleicht war es etwas ganz anderes – die Spielzeugstädter jedenfalls wirkten beeindruckt und zeigten vor allem im zweiten Durchgang ungewohnte Schwächen. Waren es die Nerven? War es die fehlende Kraft? War es eine Mischung aus beidem? Acht Tore in Spielabschnitt zwei jedenfalls waren zu wenig, um die Hermsdorfer Festung einnehmen zu können. Da half es auch nur bedingt, dass Oleksandr Pedan und Andriy Dzhulay extra aus der Ukraine eingeflogen wurden. Die Aufenthaltsbestimmungen für Nicht-EU-Ausländer bzw. die ukrainischen Regularien sind relativ streng, sodass beide am Sonntag bereits wieder die Heimreise antreten müssen. An beiden allerdings lag es nicht. Pedan spielte gewohnt souverän in der Abwehr und Dzhulay teilte sich mit Alin Plesca die Torhüterposition. Die Fehler aber wurden vor allem im Angriff gemacht. So sehr sich Cristian Bursuc als Regisseur auf der Mitte auch mühte, das Tempo stets hochhielt, so wenig klare Torchancen erspielten sich die Südthüringer und verloren das Spitzenspiel am Ende verdient mit 21:24.

Im ersten Durchgang wirkten die Gäste aus der Spielzeugstadt einen Ticken stärker, drehten bis zur Pause die Partie und machten aus einem 9:11-Rückstand eine 13:12-Halbzeitführung. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Bursuc gar schnell auf 14:12, doch dann geriet immer mehr Sand ins Angriffsgetriebe. Bis dahin war es bereits ein intensives Handballspiel. Es folgte eine wahre Handballschlacht. Beide Mannschaften kämpften mit allem was sie hatten, warfen sich in die Zweikämpfe und schonten weder sich noch den Gegner. Bemerkenswert: Die beiden jungen, aber sehr gut leitenden Schiedsrichter Robin Arnold und Johannes Kunze hatten die Partie stets im Griff, kamen mit insgesamt lediglich fünf Zeitstrafen aus und überließen die Entscheidung des Spitzenspiels den beiden Mannschaften an sich. Und da muss man nach der zweiten Halbzeit klar und deutlich festhalten, dass Hermsdorf an diesem Tag einfach die bessere Mannschaft war. Sie agierten geschlossener und hatten vielleicht in den entscheidenden Phasen auch den größeren Biss. Den Spielzeugstädtern allerdings einen Vorwurf zu machen, wäre vermessen. Die Enttäuschung nach diesem Kampfspiel war allen anzusehen und Marius Constantin Ignat, der erneut als Kämpfernatur vorne weg ging, fasste es nach dem Spiel kurz und knapp zusammen: „Wir waren heute einfach nicht gut genug!“

Bereits in Mühlhausen nach dem Jahreswechsel deutete es sich an, letzte Woche gegen Ronneburg wurde es offensichtlich und jetzt in Hermsdorf führte es leider zur ersten Saisonniederlage: In den entscheidenden Spielen um die Tabellenführung greifen die Rädchen nicht wie noch in der ersten Halbserie ineinander. Der Angriffswirbel mit durchschnittlichen 33 Toren ist wie weggeblasen. Klar, Hermsdorf ist tatsächlich eine Spitzenmannschaft, die mit höherklassiger Erfahrung auftrumpft und sich auch diesmal als Spitzenteam präsentierte. Aber ein bisschen mehr Angriffswucht braucht es dann doch. Nur über den Kampf, als man den 18:21-Rückstand nach 46. Minuten binnen knapp drei Minuten in Form von Marius Bondar fast wieder egalisierte (20:21), geht es dann doch nicht. In den letzten elf Minuten gelang den Gästen aus Südthüringen lediglich ein weiterer Treffer. Freilich kroch auch Hermsdorf auf dem Zahnfleisch und brauchte fast fünf Minuten, um auf 22:20 zu erhöhen. Sonnebergs Ignat verkürzte wieder auf 21:22 (55. Min.). Doch dann eben fasste sich Hermsdorfs Martin Vulic zweimal ein Herz und versenkte wahre Granaten aus dem Rückraum im Sonneberger Gehäuse. Die Spielzeugstädter konnten dem nichts mehr entgegensetzen und ergaben sich in der letzten Minute ihrem Schicksal und verloren symptomatisch noch einmal auf leichte Art den Ball. Die Kraft war weg, die beiden Punkte auch - es setzte die erste Niederlage der Saison.

Sonneberg und Hermsdorf sind nunmehr den Minuspunkten nach gleichauf, doch Hermsdorf hat den direkten Vergleich gewonnen. Die Saison ist zwar noch lang, aber eben muss man im Sonneberger Lager jetzt auf einen Ausrutscher der selbsternannten Kreuzritter hoffen und darf sich auch selbst keine Blöße mehr geben. Spannung ist also vorprogrammiert für die Rückrunde in Thüringens höchster Spielklasse und um mit einem positiven Eindruck in die nächsten Wochen zu gehen: Die Spielzeugstädter sind weiter mitten drin im Meisterschaftsrennen!

Presse SHV

Sonneberg: Plesca, Dzhulay, Ustymenko, Bursuc (1), Müller, Bondar (8/3), Ruslan Honcharov, Kumogorodskyy (3), Dietrich, Roman Honcharov (3), Spörke, Ignat (3), Pedan, Bulov (3)

Strafwürfe: Hermsdorf: 1/4, Sonneberg: 3/3

Zeitstrafen: Hermsdorf: 3, Sonneberg: 2

 sonneberger handballverein sponsoren leoni logo weiss
 sonneberger handballverein sponsoren vrbank logo weiss
 sonneberger handballverein sponsoren likra logo weiss

powered by www.sunnyhill-design.de

Template by L.THEME