1. Männer: Heimspiel gegen Köthen findet statt!

Handball zur Ablenkung

Handball, Mitteldeutsche Oberliga Männer, 10. Spieltag (Fortsetzung der unterbrochenen Saison)

Sonneberger HV – HG 85 Köthen Sa. 19 Uhr (SBBS-Halle)

Sonneberg. So lange fieberten alle Handballbegeisterten der Spielzeugstadt diesem Tag entgegen – endlich sollte die Saison fortgesetzt und die Mission Klassenerhalt gestartet werden. Nach zwei Jahren Pandemie und großen, notwendigen Einschränkungen war die Freude nicht nur in der Mannschaft, auch im Umfeld sehr groß, dass endlich wieder so etwas wie Normalität eintreten sollte. Eigentlich.

Oleg Kumogordskyy, Konstiantyn Ustymenko, Boris Levitskiy, Dinu Untu, Anatoli Bulov, Andriy Dzhulay, Oleksandr Pedan, Borys Kryuchkov, Dino Mustafic und Kapitän Marius Bondar.

Die Sonneberger pflegen seit Mitte der 1990er Jahre sportliche und freundschaftliche Beziehungen in die Ukraine. Vielen bekannt sind Gesichter wie Roman Gurtovy und Konstantin „Kostja“ Selenow. Letzterer ist Co-Trainer der Männer und über ihn kam auch der Kontakt zu Spielern aus seiner Heimat zu Stande. In Sonnebergs Reihen stehen einige ehemalige Handball-Nationalspieler, die aus der Ukraine oder den Nachbarländern kommen. Deren Situation zu beschreiben, ist schier unmöglich. Aus diesem Grund folgt ein Vorbericht der anderen Art:

Geschrieben von Martin Blechschmidt.

Gerne hätte ich mich auf die sportlichen Gegebenheiten eingestellt, unseren kommenden Gegner aus Köthen vorgestellt – immerhin sind die Sachsen-Anhaltiner aktuell Tabellenführer und damit Aufstiegsfavorit. Ein sportlicher Erfolg der Sonneberger wäre äußerst schwierig geworden. Doch seit letzter Woche ist die Welt eine andere und die Schwierigkeiten und Herausforderungen liegen nicht mehr auf dem Handballparkett. Ich bin 35 Jahre alt, spiele seit 30 Jahren in Sonneberg Handball. Der sogenannte „Kalte Krieg“ ist ebenso lange her. Wie viele meiner Mitmenschen war es auch für mich nicht vorstellbar, dass wir in Europa wieder in eine derartige Situation kommen. Ich wurde in der Jugend von „Kostja“ ausgebildet, trage deshalb seitdem auf meinem Trikot die Nummer 17 (wie er damals), spielte Jahre später lange mit Roman gemeinsam in der ersten Männermannschaft und fühle mich natürlich weiterhin meinem Heimatverein verbunden. Aus diesem Grund kenne ich die aktuellen Spieler und deren Familien auch, habe mich mit den anderen Vereinsmitstreitern – allen voran unserem Vereinsvorsitzenden Alexander Ebert - um Arbeitsplätze, Wohnungen, Kindergarten und Schule gekümmert und dadurch auch eine freundschaftliche Beziehung zu vielen aufgebaut. Umso erschütterter bin ich jetzt, wenn ich Details und Einzelheiten erfahre. Die persönlichen Schicksale können einen nicht unberührt lassen. Da gibt es Söhne, die an der Front stehen; Frauen die als Reservisten eingezogen wurden; Männer, die das Land nicht mehr rechtzeitig verlassen konnten; und ganz viel Leid bei allen, die vor dem Krieg fliehen. Einige Spieler unserer Handballfamilie sind deshalb unterwegs, versuchen Familienangehörige einzusammeln. Andere wollen wildentschlossen ihr Land verteidigen. Es ist eine Gemengelage, die ich noch nie erlebt habe und nie erleben wollte. Umso mehr berührt es mich, wie groß die Solidarität bei dem spontanen Spendenaufruf war. Nicht nur die Spenden an sich, auch die Hilfsbereitschaft waren gigantisch. Ein Dank gilt allen Spendern und Helfern!

Da es zu Wochenbeginn unklar war, wer überhaupt am Wochenende zum Spiel vor Ort sein wird, war es für einige meiner Mitspieler aus der zweiten Mannschaft und mich natürlich auch selbstverständlich, dass wir unsere Hilfe anbieten. Neben dem Anpacken bei der Spendenaktion stehen wir natürlich auch am Samstagabend zur Verfügung, falls dies notwendig sein sollte. Sportlich können wir freilich nicht helfen, aber das ist, wie oben beschrieben, derzeit leider nebensächlich.

Die Mannschaft jedenfalls hat sich dazu entschieden, die Partie gegen Köthen zu bestreiten, vielleicht auch, um sich gedanklich etwas abzulenken. Los geht’s wie gewohnt um 19 Uhr in der Steinbacher Dreifelderhalle und alle würden sich natürlich freuen, vor einer entsprechenden Kulisse zu spielen.

Presse SHV

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