Die Spielzeugstädter sind zurück in der höchsten Spielklasse im Freistaat Thüringen und beeindrucken mit einer extrem kämpferischen Leistung im ersten Saisonspiel. Vor heimischer Kulisse und gut 300 Zuschauern konnte man dem Favoriten HSG Werratal 05 in der Schlussminute einen Punkt abringen und feierte dies wie einen Sieg. Nach einigen Jahren der Abstinenz war dieses 25:25-Remis eine gelungene Rückkehr im Thüringer Handballoberhaus.
Die Gäste aus Breitungen verstärkten sich vor der Saison unter anderem noch einmal mit Armend Alaj aus Eisenach und haben so, neben Adrian Wöhler, nun einen weiteren ehemaligen Bundesligaspieler aus der Wartburgstadt. Das Saisonziel dürfte dementsprechend sehr weit oben in der Tabelle liegen und mindestens Medaillenplatz heißen. Für die südlicheren Thüringer aus Sonneberg geht es nach dem Aufstieg und mit einem dünnen Kader vor allem darum, sich so schnell wie möglich von den Abstiegsrängen zu entfernen. Umso erfreuter waren die beiden Trainer Pit Poser und Roman Gurtovy nach dem ersten Punktgewinn, den man auch als verdient bezeichnen kann, wenngleich die Hausherren stets einem Rückstand hinterherliefen.
Das Spiel hatte alles, was das Handballherz begehrt: Hohe Einsatzbereitschaft, viel Kampfgeist und Dramatik bis zum Ende.
Die Gastgeber mussten bereits in der ersten Hälfte den Verlust ihres Kapitäns hinnehmen. Anatoli Bulov stürzte mit dem Kinn aufs Parkett und erlitt eine Platzwunde. Dinu Untu übernahm seine Rolle mit Bravour und war eine verlässliche Größe in Angriff, aber vor allem auch Abwehr. Als die Gäste in der 28. Minute kurz vor dem Pausenpfiff auf 14:10 erhöhten, sahen einige vermutlich die Felle davonschwimmen. Doch Paul Hempel im Tor, sowie Paul Dietrich und Vlad Martalog im Angriff verkürzten den Rückstand auf 12:14.
Nach dem Seitenwechsel legten die Breitunger stets vor, waren bis zur 53. Spielminute immer mit zwei bis vier Toren in Front. Kurz vorher mussten die Spielzeugstädter den nächsten Ausfall kompensieren. Andrian Morari wurde nach einer unglücklichen Abwehraktion vorzeitig zum Duschen geschickt. Thomas Heinz übernahm seinen Part und wurde in den Schlussminuten in der Abwehr zum Fels in der Brandung. In dieser Phase verkürzten die Gastgeber von 19:23 auf 22:23, die Halle stand Kopf und war ein zusätzlicher lautstarker Rückhalt – neben Borys Kriuchkov im Tor, der im zweiten Spielabschnitt zehn Bälle parierte.
Nun folgten die dramatischen letzten zwei Minuten. Erst traf Oleksandr Pedan vorne zum viel umjubelten 24:24-Ausgleich. Dann wurde er hinten mit einer Zeitstrafe auf die Bank geschickt. Werratal führte wieder (24:25), Sonneberg hatte den Ball und es war noch eine Minute zu spielen. Auszeit Sonneberg. Um Aufzufüllen verließ Kriuchkov seinen Kasten und ein zusätzlicher sechster Feldspieler kam. Das Sonneberger Tor war verwaist. Dann erwischte es Daniel Lungu. Er wurde von Werratals Franziskus Gerr im Gesicht getroffen, der daraufhin ebenfalls die rote Karte sah. Doch auch Lungu musste blutüberströmt vom Feld. Doch egal, die SHV-Mannen kämpften weiter und erzielten über Mykhaylo Krivchikov in seiner unnachahmlichen Art den 25:25-Ausgleich. Es folgte eine Auszeit von Werratal und eine Abwehrschlacht, die aber die Sonneberger für sich entschieden. Schluss, Ende, aus. Um 20:10 Uhr pfiffen die beiden routinierten Schiedsrichter Christian Göhring und Dirk Neumann die Partie ab und besiegelten somit eine erfolgreiche Rückkehr der Sonneberger Handballer ins Thüringer Handballoberhaus mit einem kämpferischen und unerwarteten 25:25-Remis, das anschließend wie ein Erfolg gefeiert wurde.

